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Symposium anlässlich des 20-jährigen Lehrstuhljubiläums

 

17. Mai 2017

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Am 17. Mai 2017 veranstaltete das Institut für Versicherungswissenschaften e.V. ein Symposium anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Versicherungsbetriebslehre an der Universität Leipzig, zu dem Prof. Dr. Fred Wagner etwa 140 Besucher im Steigenberger Grandhotel begrüßte. Auf dem Jubiläumssymposium trugen – neben Prof. Wagner als Lehrstuhlinhaber – ausschließlich ehemalige Doktoranden, Absolventen in den Diplom- und Masterstudiengängen, Absolventen des MBA-Insurance und Leipziger Mitarbeiter zu aktuellen Branchenthemen vor.

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Nach einer kurzen Begrüßung durch Prof. Wagner fand Dr. Frank W. Keuper, Vorstandsvorsitzender des Förderkreises für das Institut für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig e.V., in seiner Laudatio herzliche eröffnende Worte auf das in den vergangenen 20 Jahren Geleistete. Hierbei ging er auf die einzelnen Entwicklungsstufen des Versicherungslehrstuhls ein – von den Anfängen in der Lehre über die Entwicklung des Tagungs- und Konferenzangebots, bis hin zur internationalen Akkreditierung des Executive-Studiengangs „MBA-Insurance“ als einen der führenden MBA-Studiengänge für die Versicherungswirtschaft im deutschsprachigen Raum. Mittlerweile absolvierten knapp 1000 Studierende den Bachelor- und Masterstudiengang, es gab über 100 MBA-Absolventen, 16 erfolgreiche Promotionen und aktuell werden zehn weitere Dissertationen betreut. Darüber hinaus verwies Dr. Keuper auf die wissenschaftlichen Leistungen des Versicherungslehrstuhls in der Grundlagen- und Anwendungsforschung, ferner auf die praxisorientierte Projektarbeit sowie auf die Ausarbeitung von Lösungsansätzen zu Herausforderungen für die gesamte Assekuranz.

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Lehrstuhl und Mitarbeiter:

„Geschäft oder Gewissen? – Vom Auszug der Versicherung aus der Solidargemeinschaft“

Den fachlichen Teil eröffnete Prof. Wagner mit seinem Vortrag zu „Geschäft oder Gewissen? – Vom Auszug der Versicherung aus der Solidargemeinschaft“. Die Basis legte er mit einer Erläuterung zur Definition des Begriffs „Versicherung“, die als Risikoausgleich im Kollektiv und in der Zeit nur sehr bedingt etwas mit einer Solidargemeinschaft zu tun hat. Nur wenige Versicherungsnehmer würden sich auch selbst als Solidargemeinschaft empfinden. Prof. Wagner stellte mit mehreren Anknüpfungspunkten heraus, dass die privatwirtschaftliche Versicherung mit ihrem versicherungstechnischen Äquivalenzprinzip im Kern nicht durch ein Solidarprinzip konstituiert ist. Allerdings erforderten die öffentliche Wahrnehmung und das Gerechtigkeitsempfinden in der Bevölkerung sehr wohl eine Auseinandersetzung der Branche mit der Frage, welche Produkt- und Tarifgestaltungen und welcher Individualisierungsgrad in einer zunehmend digitalisierten Welt auf Akzeptanz stoßen oder tabu sind.

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Kundenbeziehungsmanagement in einer digitalen Versicherungswirtschaft

Anschließend stellte Theresa Jost einen Auszug aus ihrer laufenden Promotion zum Thema „Wertorientiertes Kundenbeziehungsmanagement in einer digitalen Versicherungswirtschaft“ vor. In ihrem Dissertationsprojekt erarbeitet Jost, welche Möglichkeiten die Digitalisierung bietet, um den Kundenkontakt herzustellen, Kundenzufriedenheit zu erzeugen und Kundenbindung aufzubauen. Sie erweitert das klassische Kundenbeziehungsmanagement mit Hilfe von vier Komponenten: den Daten (Big Data), der Customer Journey sowie digitalen Prozessen und Systemen zu einem „Kundenbeziehungsmanagement 2.0“. Damit soll es ermöglicht werden, mit Hilfe von Digitalisierungsstrategien und einem Omnichannelmanagement sogenannte „Touchpoints“ entlang der „Customer Journey“ zu generieren, den Kontakt zum Kunden um eine emotionale Beziehung auszuweiten und einen Mehrwert für den Versicherungsnehmer und schließlich für den Versicherer zu generieren. In einem Ausblick wies Jost darauf hin, mit ihrer Dissertation auch zu untersuchen, ob Digitalisierung nicht nur Potenziale für ein verbessertes Kundenbeziehungsmanagement hervorbringt, sondern auch zu einer verbesserten Profitabilität führt und somit den Unternehmenswert erhöht.

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Altersvorsorge in Deutschland – Was macht die Assekuranz richtig?

Ulrike Taube war die erste studentische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Versicherungsbetriebslehre und ist inzwischen Mitglied des Vorstands der R+V Pensionskasse AG. In ihrem Vortrag berichtete sie aus Ihrer Berufspraxis zur „Altersvorsorge in Deutschland – Was macht die Assekuranz richtig?“. Zu Beginn konzentrierte sich Taube auf die großen Leistungen der Assekuranz und warum die Versicherungswirtschaft so wichtig für die Gesamtbevölkerung ist. Dazu zählt, dass Versicherer Spezialisten in der Leistungsphase sind, eine Planbarkeit der zukünftigen Altersvorsorge ermöglichen, biometrische Risiken übernehmen sowie vorsichtig kalkulieren und ihre Versprechen sicher einlösen. Darüber hinaus besitzt die Versicherungsbranche eine krisenfeste Stabilität und tritt auf den deutschen Kapitalmärkten als kontinuierlicher, verlässlicher Kapitalgeber auf. Taube adressierte aber auch die aktuellen Herausforderungen der Assekuranz. Dazu gehörten neben der Niedrigzinsphase und Solvency II vor allem eine erhöhte Transparenz sowie eine verbesserte Kundenkommunikation. Mit den treffenden Worten „Eine Welt ohne Assekuranz ist möglich, aber sinnlos!“, schloss Taube ihren Vortrag.

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Ehemalige Doktoranden:

Digitalisierung der Gesellschaft – mögliche Auswirkungen auf die Vertriebs- und Produktkonzepte in der Versicherungswirtschaft

Seitens der ehemaligen Doktoranden stellte Prof. Dr. Florian Elert, Professor für Versicherungsmanagement der Hamburg School of Business Administration, einen Teil seiner hochaktuellen Studie „Digitalisierung der Gesellschaft – mögliche Auswirkungen auf die Vertriebs- und Produktkonzepte in der Versicherungswirtschaft“ vor. Auch Prof. Elert vertrat das Credo: „Digitalisierung bringt die Assekuranz näher zum Kunden!“. Die Digitalisierung stelle eine Chance dar, über die einzelnen Prozesse in die Themen- und Lebenswelten der Kunden zu dringen. Versicherer müssten lernen, mit den Datenmengen umzugehen und hieraus Kontaktanlässe und Mehrwerte zu generieren. Besonders digitale Assistance-Leistungen böten für den Kunden einen hohen Mehrwert, doch diese seien aktuell noch kaum besetzt. In den kommenden Jahren werde ein Wandel der Geschäftsmodelle der Versicherer und Vermittler stattfinden. Der Versicherer wird ein digitaler Lebensbegleiter des Kunden, und die klassische Versicherung wird nur noch ein Teil davon sein.

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Perspektiven für Geschäftsmodelle rund um die Mobilität

Als weiterer ehemaliger Doktorand erörterte Dr. Jörg Hipp, Mitglied des Vorstands der Allianz Versicherungs-AG, das Thema „Perspektiven für Geschäftsmodelle rund um die Mobilität“. Mobilität stelle hierbei eine von vielen Lebenswelten der Kunden dar und könne als „shared, connected, electred und automatized“ betrachtet werden. Die Versicherungsbranche, aber auch die Automobilhersteller, stünden am Beginn einer fundamentalen Veränderung, und über deren Geschwindigkeit und Umfang könne nur spekuliert werden. Für die Assekuranz bedeutete dies aber, die Veränderungen aktiv mitzugestalten. Hierfür müssten die Wertschöpfungsketten näher betrachtet und mithilfe von Technologien versucht werden, einzelne Komponenten zu verbessern. Vernachlässige die Branche dieses Thema, könnten Start-Ups entweder Teile der Wertschöpfungskette übernehmen oder sie sogar vollständig besetzen. Versicherer sollten sich nicht nur auf die Risikotragung fokussieren. Im digitalen Zeitalter müsse der Trend zu mehr Management, Services und Convenience gehen. Dazu gehörten verstärkt kollaborative Ansätze; nach Hipp könne die Assekuranz ihre Position nur halten und ausbauen, wenn sie gezielt Partnerschaften innerhalb und außerhalb der eigenen Branche aufbaut.

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Absolventen des MBA-Insurance:

Kunden- und vertriebsorientiertes Schadenmanagement – Erfolgsfaktoren in einer digitalisierten Welt

Fachlich abgerundet wurde das Jubiläumssymposium mit den Beiträgen von zwei Absolventen des berufsbegleitenden Studiengangs „MBA-Insurance“. Auch Steffen Guttenbacher, Abteilungsleiter Schadenservice & Betriebstechnik der Württembergische Versicherung AG, beschäftigte sich mit der Digitalisierung und erörterte deren Potenziale in einem „Kunden- und vertriebsorientierten Schadenmanagement“. Sein Appell gleich zu Anfang seines Vortrags lautete, dass sich die Versicherer in einer sich dynamisch verändernden Welt bei zunehmenden Wettbewerbs- und Kostendruck dringend zusammen mit den Versicherungskunden digitalisieren müssten. Dies solle nicht nur als Herausforderungen verstanden werden, sondern vielmehr müsse auf die Chancen und Potenziale fokussiert werden. Schaden stelle einen großen Ergebnishebel dar und könne als Wachstumsmotor und Verkaufsargument genutzt werden. Für Guttenbacher zählen folgende Dimensionen zu den Erfolgsfaktoren in einer digitalisierten Welt: Erfüllung der Kundenerwartungen, Angebot von Schadenprozessen aus einer Hand, Steuerung der Schadenaufwendungen, digitale Effizienz sowie die allgemeine Unternehmenskultur.

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Kapitalanlagestrategien von Versicherungsunternehmen unter aktuellen Rahmenbedingungen

Abschließend behandelte Dr. Christoph Heidelbach, Geschäftsführer der Provinzial NordWest Asset Management GmbH, „Kapitalanlagestrategien von Versicherungsunternehmen unter aktuellen Rahmenbedingungen“. Er stellte dem Publikum stochastische Modellrechnungen für die nächsten Jahre vor. Für die Simulationen verwendete Dr. Heidelbach verschiedene Mischungen aus Replikations- und Ertragsportfolios. Als Resümee zog er, dass die Versicherungsbranche im aktuellen Niedrigzinsumfeld ein aktives Kapitalanlagemanagement betreiben solle, das sich effizient auf eine Steuerung unter Solvency II und die Beherrschung der Volatilität in den Kapitalanlagen auswirke.

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Der erfolgreiche Tag des 20-jährigen Jubiläumssymposiums wurde mit einer Abendveranstaltung in den Räumlichkeiten des Instituts in der Gottschedstraße zu Leipzig kulinarisch mit vielen anregenden und freundschaftlichen Gesprächen unter den Besuchern abgerundet.

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