> Vorlesungstag > Vorlesungstag 2016

16. Vorlesungstag an der Universität Leipzig

Weitere Informationen
z.B. Programm, Sponsoren

01. März 2016

Am 1. März 2016 lud unser Institut für Versicherungswissenschaften e.V. an der Universität Leipzig zum 16. Vorlesungstag in den AudiMax am innerstädtischen Campus Augustusplatz ein. Der Vorlesungstag ist einer der wichtigsten Branchentreffs der Versicherungswirtschaft zum Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Der Einladung zu diesem Kongress unter Moderation und fachlicher Leitung von Prof. Dr. Fred Wagner, folgten annähernd 300 Branchenrepräsentanten, darunter viele Vorstände und Führungskräfte von Versicherungsunternehmen und branchennahen Dienstleistern.

tl_files/dokumente/public/Konferenzen/Vorlesungstag 2016/Pressebericht/1.JPG

Eröffnet wurde der Vorlesungstag mit Begrüßungsworten von Prof. Dr. Fred Wagner, Vorstand des Instituts für Versicherungswissenschaften, und einer Einführung in das Tagesprogramm. Anschließend begrüßte Prof. Dr. Frank Schuhmacher, Prodekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Finanzwirtschaft, die Teilnehmer und betonte die hohe Bedeutung des Vorlesungstags für den Austausch zwischen Assekuranz, angrenzenden Branchen und Praxis. Prof. Dr. Schuhmacher hob Leipzig im Allgemeinen als Forschungsstandort mit einem dichten Hochschulnetz und die Universität Leipzig im Speziellen als zweitälteste Volluniversität hervor, die ihren Leitsatz „Aus Tradition Grenzen überschreiten“ stets verwirklicht.

tl_files/dokumente/public/Konferenzen/Vorlesungstag 2016/Pressebericht/2.jpg

Von der Tradition in neue Welten

Den fachlichen Teil des Vorlesungstags eröffnete Christoph Schmallenbach, Vorstandsvorsitzender der AachenMünchener, mit einem aufschlussreichen Beitrag zum Thema „Transformation des Geschäftsmodells „Versicherung“: von der Tradition in neue Welten“. Die nachhaltigste Veränderung, neben dem verstärkten Wettbewerb, der Gesetzgebung und Herausforderungen im Vertrieb, ist nach Meinung von Schmallenbach im Verhalten der Kunden zu sehen, die ihre Erwartungen aus anderen Branchen auf die Assekuranz übertragen. Schmallenbach stellte vier Thesen zur Transformation der Versicherungsbranche und der Neupositionierung der Versicherungsunternehmen auf und würdigte jede kritisch. So sollte das gesamte Geschäftsmodell auf den Prüfstand gestellt, Komplexität abgebaut, Kundenzentrierung hervorgehoben und wesentlich mehr ausprobiert werden. Eine andere Fehlerkultur sei vonnöten, um mehr Innovation zu erreichen. Er griff seinen anfänglichen Leitsatz wieder auf und verwies darauf, dass es umso schwieriger sei, sich zu entwickeln, je größer der Erfolg in der Vergangenheit war. Christoph Schmallenbach rekapitulierte: „Wir müssen uns schnell verändern, aber wie wir uns verändern, muss individuell ausgestaltet werden.“

tl_files/dokumente/public/Konferenzen/Vorlesungstag 2016/Pressebericht/3.JPG

Solvency II – Erste Erfahrungen der Aufsicht

Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, berichtete anschließend über erste Erfahrungen mit Solvency II. In seinem Vortrag legte Dr. Grund thematische Schwerpunkte auf die Aspekte Volatilität, Kapitalanlagen und Rechnungslegung. Das aktuelle Niedrigzinsumfeld übt Einfluss auf die Volatiltät der SCR-Werte aus. Diese Volatilität wird laut Dr. Grund auch in Zukunft weiter ansteigen. Er betonte, dass aber nicht die Reduktion der Volatiltät als solcher, sondern vielmehr ein adäquater Umgang damit zielführend sei. Eine klare und offene Kommunikation sei auch im Vertrieb erforderlich. Besonderheiten im Bereich der Kapitalanlagen ergäben sich im Rahmen von Solvency II durch die Abschaffung der Anlageverordnung und somit der Abschaffung pauschaler quantitativer Anlagerestriktionen. Es gelte nun ein Verhaltensstandard, der einen internen Anlagekatalog und individuelle, quantitative Grenzen, basierend auf dem vom Unternehmen angestrebten Sicherheitsgrad, erfordere. Dr. Grund setzte einen Fokus auf die Problematik des stark angestiegenen Engagements in Staatsanleihen, die nach dem Standardmodell als risikolos bewertet werden. Dieser Problematik solle jedoch im Rahmen der zweiten Säule von Solvency II entgegen gewirkt werden. Im Bereich der Rechnungslegung sei auch unter Solvency II das HGB für einen Teil der Berechnungen, wie der Mindestzuführung zu den RfB und der Zinszusatzreserve, relevant. Im Zusammenhang mit der Zinszusatzreserve und den hohen SCR-Anforderungen werde kritisiert, dass manche Unternehmen „eine Medizin verschrieben bekommen, die zu stark ist“. Dr. Grund betonte, dass die BaFin gewillt sei mit den Versicherungsunternehmen zu kooperieren, allerdings bei einer Nicht-Einhaltung der Kapitalanforderungen auch gezwungen sei, mit ihrem umfangreichen Instrumentarium einzugreifen.

tl_files/dokumente/public/Konferenzen/Vorlesungstag 2016/Pressebericht/4.JPG

Leipziger Forschung

Im Rahmen des wissenschaftlich ausgerichteten Veranstaltungsblocks „Leipziger Forschung“ berichtete Daroslav Lazic, Doktorand und Geschäftsführer am IfVW, aus seinem Dissertationsprojekt zum Thema „Der Sparprozess in der klassischen Lebensversicherung: Perspektivwechsel als zukünftiger Erfolgsfaktor für das Geschäftsmodell Lebensversicherung“. Nach einem Überblick zur Funktionsweise einer klassischen Lebensversicherung, bestehend aus Spar- und Risikogeschäft, zeichnete er die Vorteile einer Lebensversicherung im Gegenzug zu reinen Sparprodukten auf. Hervorgehoben wurden dafür der Risikoausgleich im Kollektiv und in der Zeit sowie der komparative Vorteil im Modell des kollektiven Sparens. Der Sparprozess innerhalb der klassischen Lebensversicherung darf nach Lazic nicht als gewöhnlicher Sparprozess betrachtet werden, sondern vielmehr als Versicherung gegen Kapitalmarktrisiken. Seine Thesen belegt Lazic mit aussagekräftigem empirischem Datenmaterial, das für Sparergenerationen der vergangenen 30 Jahre die Optimierung der Rendite-/Risiko-Position mittels einer Lebensversicherung gegenüber alternativen Anlagen für Zwecke der Altersversorgung, wie einem Aktienportefeuilles oder einer Anlage in den REXP, eindrucksvoll belegte.

tl_files/dokumente/public/Konferenzen/Vorlesungstag 2016/Pressebericht/5.JPG

Komplexititätsmanagement in der Assekuranz

Im stark zunehmenden Wettbewerb auf dem Versicherungsmarkt und mit damit verbunden hohen Anforderungen an die Kosteneffizienz ist es in der Assekuranz von hoher Bedeutung, den Komplexitätsgrad der Strukturen und Prozesse im Versicherungsunternehmen zu optimieren. Vor diesem Hintergrund hat die V.E.R.S. Leipzig GmbH unter Schirmherrschaft und persönlicher Mitwirkung von Prof. Dr. Fred Wagner und in konzeptioneller Zusammenarbeit sowie im Auftrag der zeb/rolfes.schierenbeck.associates GmbH eine empirische Studie zum „Komplexititätsmanagement in der Assekuranz – Treiber Optimierungspotenziale und zentrale Stellhebel für die Zukunft“ durchgeführt. Die Ergebnisse stellte Prof. Wagner im Rahmen des 16. Vorlesungstag aus wissenschaftlicher Sicht vor. Philip Franck, Senior Manager von zeb.rolfes.schierenbeck.associates gmbh, beleuchtete anschließend die Konsequenzen aus praktischer Beratersicht. So kritisierte er, dass Komplexität oft als Fehlerbild wahrgenommen wird und nur die Symptomatik, nicht aber die Ursachen behoben werden. Die Umsetzung erfolge oft nur kurzfristig und es gäbe kaum einen Versicherer, der turnusgemäß und proaktiv mit der Komplexitätsproblematik umgeht. Der Gemeinschaftsvortrag entsprach abermals dem Anspruch des Leipziger Versicherungsinstituts nach einer Verzahnung von Forschung und Praxis, die auch den Vorlesungstag zu einem besonders wichtigen Branchentreff macht.

tl_files/dokumente/public/Konferenzen/Vorlesungstag 2016/Pressebericht/6.JPG

Betriebliche Vorsorge – Status Quo und Entwicklungslinien

Ein weiterer Höhepunkt des Vorlesungstags ist Jahr für Jahr die Podiumsdiskussion, in diesem Jahr zum Thema: „Betriebliche Vorsorge – Status Quo und Entwicklungslinien“. Die Durchdringungsquote der betrieblichen Altersvorsorge stagniert trotz ihrer hohen Bedeutung in Zeiten des demografischen Wandels und rückt somit immer weiter in den politischen Fokus. Die Moderation der Podiumsdiskussion übernahm traditionell Prof. Wagner. Die Versicherersicht war durch Herrn Dr. Guido Bader, Vorstandsmitglied der Stuttgarter Versicherungsgruppe sowie Herrn Frank-Henning Florian, Vorsitzender des Vorstands der R+V Lebensversicherung AG und Vorsitzender des Ausschusses Sozialpolitik im GDV, vertreten. Für einen Perspektivwechsel waren Prof. Dr. Thomas Dommermuth, Vorsitzender des Beirats des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung, und Heribert Karch, Geschäftsführer der MetallRente GmbH und Vorstandsvorsitzender der aba Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersvorsorge e.V. eingeladen. Die Bundespolitik war durch Anja Karliczek, Mitglied des Bundestags und Mitglied im Finanzausschuss der CDU, repräsentiert. Einen stark diskutierten Themenaspekt stellte das Sozialpartnermodell dar. Als potenzielle Lösungsansätze für höhere Durchdringungsquoten wurden die Nahles-Rente, das Opting-Out-Modell und eine Optimierung der Durchführungswege in der bAV diskutiert. Durch eine Differenzierung der Lösungsansätze für kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) im Gegensatz zu Großkonzernen, die Ausgestaltung der Arbeitgeberanteile sowie eine Bezuschussung von Geringverdienern im Rahmen von Opting Out-Modellen wurde ein aktueller und komplexer Diskussionsrahmen geschaffen.

tl_files/dokumente/public/Konferenzen/Vorlesungstag 2016/Pressebericht/7.JPG

Auswirkungen der europäischen Finanzmarkt- und Geldpolitik auf die Assekuranz

Zum fachlichen Schluss des Tagungsprogramms referierte der renommierte Wirtschafts- und Finanzexperte Prof. Dr. Max Otte. Derzeit am Institut für Unternehmensführung und Entrepeneurship an der Universität Graz tätig, Bestsellerautor, Gründer des Finanzinformations- und Analyseinstituts IFVE sowie Direktor des Zentrums für Value Invest e.V., wurde Prof. Otte drei Jahre in Folge von Börse Online mit dem Titel „Börsianer des Jahres“ ausgezeichnet.  Prof. Otte thematisierte die Geldpolitik der Fed und EZB, die Folgen der Niedrigzinspolitik an den Kapitalmärkten und Herausforderungen für institutionelle Anleger. In seinem Vortrag prognostizierte er eine weiter andauernde Niedrigzinsphase, und er übte scharfe Kritik am Kurs der EZB bzw. von Mario Draghi.

Im Anschluss an das Tagungsprogramm lud das Institut für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig zum Kabarett Leipziger Pfeffermühle in die Alte Börse und zu einem Get Together in die Räumlichkeiten des Instituts

tl_files/dokumente/public/Konferenzen/Vorlesungstag 2016/Pressebericht/8.JPG