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Vorlesungstag an der Universität Leipzig

3. April 2008

Zum mittlerweile bereits "8. Vorlesungstag an der Universität Leipzig" des Instituts für Versicherungswissenschaften (IfVW) begrüßte PD Dr. Thomas Köhne, IfVW-Vorstandsmitglied, am 3. April 2008 über 260 Teilnehmer im komplett belegten Hörsaal an der Leipziger alma mater. Der Vorlesungstag ist mittlerweile ein bedeutender Branchentreff zum Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis geworden.

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Von Seiten der Universität Leipzig richteten zunächst deren Rektor, Herr Prof. Dr. Franz Häuser, sowie anschließend auch der Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Herr Prof. Dr. Ralf Dietrich, einige Grußworte an die Anwesenden und gingen dabei insb. auf die im nächsten Jahr bevorstehende 600-Jahrfeier sowie die laufende Umstellung der Studiengänge auf Bachelor-/Master-Abschlüsse ein. Im anschließenden, ersten Branchenvortrag referierte Herr Dr. Frank Keuper, Vorsitzender des Vorstands der AXA Konzern AG, über Konzentrationstendenzen in der Versicherungswirtschaft und die sich daraus ergebenden Herausforderungen in der Post-Merger-Phase. Er zeigte dabei anhand der den Konzern aktuell betreffenden Integration der DBV-Winterthur Versicherungen sehr offen auf, wie die AXA Konzern AG diese vollzieht und wie wichtig in diesem Zusammenhang die Integrationserfahrung des übernehmenden Unternehmens ist. Im Rahmen der aktuellen Integration war es zunächst das Ziel und Motto, "das Beste aus beiden Welten" zu vereinen. Der Referent gestand jedoch zu, dass sich dies nicht immer und überall durchsetzen lässt und eine schnelle Entscheidung für ein in sich schlüssiges System, egal aus welchem Hause, zielführender sei. Als drei wesentliche Erfolgsfaktoren von Integrationen hob Herr Dr. Keuper die Mitarbeiter, die Vertriebspartner und die Harmonisierung der unterschiedlichen Kulturen, insbesondere in der Informationstechnologie, hervor. 

Als zweiter Referent erläuterte danach Herr Dr. Heiko Winkler, Vorsitzender des Vorstands der Provinzial NordWest Holding AG, die Fusion der Provinzial Münster mit der Provinzial Kiel zur Provinzial NordWest Gruppe und die damit einhergehenden Entwicklungspers- pektiven. Für die Provinzial NordWest Gruppe gelte dabei das Leitmotiv "Think big - act local". Herr Dr. Winkler betonte, dass neben der Realisierung von Skalen- und Synergieeffekten durch multiregionale Zusammenschlüsse und Kooperationen auch der Grundsatz "All business ist local!" als einer der zentralen Erfolgsfaktoren bei der Provinzial NordWest Gruppe gesehen wird. Angesichts dessen muss die traditionell starke regionale Identität und die damit verbundene gehobene Stellung am Markt bewahrt bleiben.

Am Nachmittag folgte ein wissenschaftlicher Block: Herr Andreas Kluge, externer Doktorand am Institut für Versicherungswissenschaften, be- richtete aus seinem Dissertationsprojekt zum Thema "Nützlichkeit der IAS/IFRS-Rechnungslegung von Versicherungsunternehmen für die Unternehmensanalyse und -steuerung" und ging dabei auf verschiedene, dem Management zugängliche Datenquellen und deren Erkenntniswert für die Unternehmenssteuerung ein. In einem weiteren Beitrag präsen- tierten Herr Prof. Dr. Fred Wagner, IfVW-Vorstandsmitglied, und sein Kollege Herr Prof. Dr. Markus Petry von der Fachhochschule Wiesbaden die Erkenntnisse aus dem gemeinsamen Forschungsprojekt "Kredit- sicherung für Banken durch Versicherungsdeckungen", das sie im Auftrag eines Versicherungsunternehmens durchgeführt haben. Beide kamen im Rahmen ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass die Kredit- sicherung durch Versicherungsdeckungen die Ausfallwahrscheinlich- keit der Kredite und die Höhe von notwendigen Einzelwertberich- tigungen vermindert. Somit würde sich schon im Vorfeld die erforderliche Risikovorsorge der Bank verringern. Die Vorteile liegen nicht nur auf der Bankenseite. Für den Versicherer würde ein verstärkter Produkt- und Vertriebsverbund das eigene Kerngeschäft stärken, indem vermehrt Versicherungsgeschäfte mit Kreditkunden von Banken abgeschlossen werden könnten. Sofern die Kreditnehmer nicht nur ihre eigene Sicherheitslage erhöhen würden, sondern auch ihre Bankkredite zu günstigeren Konditionen erhalten könnten, würde eine klassische Win-Win-Win-Situation für alle drei Marktparteien (Bank, Versicherer und Kunde) entstehen.

In der abschließenden, von Herrn Prof. Dr. Wagner moderierten Podi- umsdiskussion zur VVG-Reform tauschten die renommierten Experten Dr. h. c. Josef Beutelmann, Vorsitzender der Vorstände der Barmenia Versicherungen, Dr. Theo Langheid, Partner bei BACH, LANGHEID & DALLMAYER, Prof. Wolfgang Römer, Versicherungsombudsmann, Dr. Bernhard Schareck, GDV-Präsident, und Dr. Maximilian Teichler, Geschäftsführer von Willis, ihre Sicht der Dinge zu den aktuellen Folgen der VVG-Reform aus.

Auf die Frage "Sind wir fertig mit der VVG-Reform?" antwortete Herr Dr. Schareck, dass das Inkrafttreten des neuen Versicherungsvertrags- gesetzes zum 01. Januar 2008 erst der Beginn für die Assekuranz sei. Denn es müssten noch 400 Millionen Versicherungsverträge umgestellt werden. Aus Sicht von Herrn Dr. Beutelmann müssen die Versicherer auch dem Vertrieb aufgrund vieler Neuerungen eine Gewöhnungsphase von zwei bis drei Monaten einräumen. Herr Prof. Römer betonte demgegenüber die Verbesserung des Verbraucherschutzes als das eigentliche Ziel der VVG-Reform. Vor diesem Hintergrund sei die VVG-Reform daher trotz der entdeckten Mängel abgeschlossen, da diese nicht so schnell wieder novelliert werden können. Herr Dr. Langheid wies sodann darauf hin, dass einige Unbestimmtheiten in dem neuen Versicherungsvertragsgesetz vorhanden sind und bezeichnete das neue VVG als ein "Arbeitsbeschaffungsprogramm für Anwälte". Dies begründete er vor allem mit der vorvertraglichen Anzeigepflicht- verletzungen und dem Wegfall des Alles-oder-Nichts-Prinzips. Im Hinblick auf den Umgang der Makler mit der anlassbezogenen Beratung konstatierte Herr Dr. Teichler, dass dies keine Auswirkungen auf das Geschäft mit Industriekunden haben werde. Aufgrund der auch bisher eingehaltenen Transparenz würden die neuen Anforderungen an die Beratung sowohl im Industrie- als auch im Gewerbebereich keine großen Probleme nach sich ziehen. Einig waren sich alle darüber, dass viele Unklarheiten des neuen VVG letztlich durch die Rechtsprechung entschieden werden (müssen) und dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.