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Vorlesungstag an der Universität Leipzig

19. März 2009

Am 19. März 2009 veranstaltete das Institut für Versicherungswissen- schaften e.V. an der Universität Leipzig bereits zum neunten Mal in Folge den Vorlesungstag, zu dem in diesem Jahr mehr als 270 Teilneh- mer nach Leipzig kamen. Der Vorlesungstag gilt als einer der Branchen- treffs zum Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.

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Der Vorlesungstag wurde durch Begrüßungsworte seitens der Universität Leipzig von Herrn Dr. Frank Nolden, Kanzler der Universi- tät Leipzig und Herrn Prof. Dipl.-Ing. Johannes Ringel, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig eröffnet. Im Anschluss daran referierte Herr Dr. Gerhard Rupprecht, Vorsitzen- der des Vorstands der Allianz Deutschland AG über „Megatrends auf dem deutschen Erstversicherungsmarkt – aus Sicht des Marktführers“. Herr Dr. Rupprecht erläuterte dabei die aktuellen Entwicklungen des deutschen Versicherungsgeschäfts, welche nach seinen Ausführungen maßgeblich durch die weltweite Globalisierung bedingt seien. Die Assekuranz müsse mögliche Risiken antizipieren und daraus folgend Produkte und Leistungen entwickeln, die diese Risiken abdecken. Die zukünftigen Trends, welche Herr Dr. Rupprecht in seinen Erläuterungen insbesondere hervorhebt, sind Demografie, Klimawandel, grundlegende Veränderungen im Verständnis von Gesundheit, fortdauernde Digitalisierung und der „neue globale Kunde“. Diese Trends müssen von der Versicherungswirtschaft als Geschäftschancen der Zukunft erkannt und umgesetzt werden, so Herr Dr. Rupprecht weiter.

Als zweiter Referent sprach Herr Dr. Ludger Arnoldussen, Mitglied des Vorstands, Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG über die „Entwicklungsperspektiven und Herausforderungen im deutschen Erst- versicherungsmarkt aus Sicht des Rückversicherers“. Dabei stellte Herr Dr. Arnoldussen die Finanzmarktkrise und die Implikationen für die Versicherungswirtschaft in den Fokus seiner Ausführungen. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen werde deutlich, wie wichtig ein funktionierendes Risikomanagement für die Versicherungs-unternehmen ist. Die sog. „Rettungsschirme“, die der Staat in der Krise bereitstellt, sieht Herr Dr. Arnoldussen als wichtig an, gleichzeitig verzerren diese Rettungsschirme aber auch den Wettbewerb. Unter- nehmen, die ihre Risiken realistisch eingeschätzt haben und die Geschäftsstrategie daran ausrichten, werden – im Gegensatz zu anderen Unternehmen – benachteiligt, so Herr Dr. Arnoldussen weiter. Als „Nebenerscheinung“ der Krise hob Herr Dr. Arnoldussen das gestärkte Risikobewusstsein der Branche hervor. Die Versicherungsunternehmen sollten vermeidbare Risiken eliminieren und das Sicherheitsziel wieder in den Mittelpunkt ihrer Geschäftstätigkeit stellen.

Darauf folgend berichtete Herr Florian Elert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Versicherungsbetriebslehre Universität Leipzig, aus seinem Dissertationsprojekt zum Thema „Wertorientierung im Versicherungsunternehmen – Konsequenzen für das Geschäfts- prozessmanagement?“. Mit dem Vortrag von Herrn Elert wurde aufgezeigt, welche Anforderungen das wertorientierte Geschäftspro- zessmanagement erfüllen muss und welche Maßnahmen zur Gestaltung und Steuerung von Geschäftsprozessen im Versicherungsunternehmen umgesetzt werden können.

In einem weiteren Beitrag referierte Herr Dietmar Meister, Sprecher des Vorstands der Generali Deutschland Holding AG, über „Synergiehebung und differenzierter Marktauftritt“. Herr Meister stellte im Zuge der Finanzmarktkrise die zunehmenden Anforderungen an den Vertrieb in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Hierbei verwies er – unter Berücksichtigung des großen Wettbewerbdrucks in der Versicherungs- branche – auf die besondere Bedeutung flexibler Vertriebswege. Herr Meister sieht die Generali Deutschland Holding AG Dank der Mehrmarkenstrategie und der daraus begünstigten Vertriebswege- vielfalt, unter dem Motto „Einheit in Vielfalt“, gut für die Zukunft gerüstet. In diesem Zusammenhang formulierte Herr Meister auch die Ziele der Generali Deutschland Holding AG bis zum Jahr 2014. Die Generali will bis dahin die Nummer 1 in der „Vertriebs- und Ertrags- kraft“ werden. Weiterhin betonte Herr Meister, dass die Produktvielfalt, die Generali besitzt, ein permanentes Wachstum voraussetze.

In der abschließenden Podiumsdiskussion, die von Herrn Prof. Dr. Wagner moderiert wurde, diskutierten die geladenen Experten, Herr Karsten Crede, Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Versicherungsdienst GmbH, Herr Klaus-Jürgen Heitmann, Mitglied des Vorstands HUK-COBURG, Herr Michael Kainzbauer, CEO Toyota Versicherungsgruppe, Herr Dr. Michael Pickel, Vorstandsmitglied der Hannover Rückversicherung AG und E+S Rückversicherung AG sowie Herr Wolfgang Spinler, Geschäftsführer AvD Wirtschaftsdienst GmbH über die Marktentwicklung und Herausforderungen in der Kfz- Versicherung aus den verschiedenen Sichtweisen. Herr Prof. Dr. Wagner eröffnete die Diskussionsrunde mit der Frage „Wie sehen Sie den Kfz-Versicherungsmarkt?“. Herr Crede bezeichnete den Kfz-Markt als einen sehr spannenden Markt, in ähnlicher Weise äußerte sich Herr Kainzbauer, jedoch mit der Anmerkung, dass der Markt einem starken Verdrängungswettbewerb unterliege. Herr Heitmann stellte in diesem Zusammenhang die Preissensibilität des Kunden heraus und betonte die guten Marktbedingungen für die HUK („Autoreparatur ist unser Geschäft“). Auch Herr Dr. Pickel äußerte sich im Hinblick auf die Entwicklung im Kfz-Markt positiv und vertrat die Ansicht, dass sich die Preisspirale zukünftig wieder nach oben entwickeln werde, betonte aber, dass das frühere Preisniveau auf keinen Fall mehr erreicht werden würde. Herr Spinler mahnte an, dass das Leistungsverhältnis und die Transparenz für die Kunden im Kfz-Markt gegeben sein müsse. Der günstigste Anbieter sei nicht zwingend der Beste, schlussfolgerte Herr Spinler anschließend. Kundenbindung entstände durch Vertrauen, das wiederum im Zuge von Service und Begleitung des Kunden im Schadenfall entsteht, so Spinler weiter. Auf die Frage von Herrn Prof. Dr. Wagner, ob die Kfz-Versicherung zukünftig auch Kraftfahrzeuge verkaufen wird, antwortete Herr Heitmann, dass dies sicherlich bei entsprechenden Volumina eine gute Geschäftsidee sei. Herr Crede sprach in diesem Zusammenhang von einer Umkehr der Wert- schöpfungskette, dass das Auto möglicherweise bald als Türöffner für die Kfz-Versicherung fungiere.