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Vorlesungstag an der Universität Leipzig

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28. März 2012

Am 28. März 2012 veranstaltete das Institut für Versicherungs-wissenschaften e.V. an der Universität Leipzig bereits zum zwölften Mal in Folge den jährlichen Vorlesungstag, zu dem wieder etwa 270 Teilnehmer nach Leipzig kamen. Der Vorlesungstag gilt als einer der wichtigsten Branchentreffs zum Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis im deutschsprachigen Raum.

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Zunächst begrüßte Prof. Dr. Fred Wagner, Vorstand des Instituts für Versicherungswissenschaften e.V., die Teilnehmer und stellte die Agenda vor. Im Namen der Stadt Leipzig hieß anschließend Herr Oberbürgermeister Burkhard Jung die Anwesenden herzlich willkom- men.  Er betonte die große Bedeutung des Wissenschaftsstandorts und die besondere Verbindung von Historie und Moderne in Leipzig als Voraussetzung für die kommunalen Ansiedelungserfolge.

Anschließend richtete Herr Prof. Dr. Matthias Schmidt, Prodekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, seitens der Universität Leipzig seine Grüße an das Auditorium und hob die Qualität der Lehre an der Universität Leipzig und – mit Blick auf die versicherungswissenscha-ftliche Ausbildung – insbesondere die Bedeutung des berufsbegleiten- den Studiengangs „MBA Versicherungsmanagement“ am Institut für Versicherungswissenschaften hervor.

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Unter der Überschrift „Lebensversicherung für morgen - Herausfor-derungen von heute“ erläuterte Michael Westkamp, Vorsitzender des Vorstandes der AachenMünchener Versicherungen, als erster Referent die derzeitige Situation und Zukunftschancen des Geschäftsmodells der Lebensversicherung. Die öffentliche Darstellung der Lebensversiche- rung in den Medien sei negativ überzogen. Herausforderungen würden unter anderem die Implikationen des neuen Aufsichtsregimes Solvency II sowie die hohe Komplexität der Produktlandschaft darstellen. Insbesondere eine Rückbesinnung auf die Kernkompetenz der Lebensversicherung, das ist die nachhaltige Alters- und Hinterbliebe-nenabsicherung, die Kommunikation des Geschäftsmodells und der Stabilität der Branche sowie eine Vereinfachung und Flexibilisierung der Produkte seien nötig.

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Im Anschluss richtete Dr. Walter Botermann, Vorsitzender der Vorstände der ALTE LEIPZIGER Lebensversicherung a.G., HALLESCHE Krankenversicherung a.G. und der ALTE LEIPZIGER Holding AG, den Fokus auf aktuelle „Perspektiven und Herausforderungen in der Privaten Krankenversicherung“. Zunächst konstatierte Dr. Botermann, dass sich sowohl die betriebswirtschaftlichen als auch die versorgungstechnischen Zustände in der GKV und der PKV in den letzten Jahren signifikant gebessert hätten. Dann erläuterte er, dass sich die privaten Krankenversicherer ähnlich den Lebensversicherern einem Wahrnehmungsproblem gegenüber sähen. Die Billigtarifpolitik einiger Marktteilnehmer habe zu diesen Schwierigkeiten beigetragen. Ursächlich für die in den letzten Jahren viel diskutierten Beitragsanpassungen seien aber die wachsende Lebenserwartung, Inflation und die Kosten des medizinisch-technischen Fortschritts. Das deutsche duale System habe sich im Vergleich mit den Krankenversicherungssystemen anderer Länder bewährt. Zur Illustration nannte er u.a. die langen Wartezeiten in den Niederlanden sowie die Schwierigkeiten in der Schweiz, eine medizinische Kostendämpfung zu erreichen. In Deutschland habe die private Krankenversicherung außerdem eine wichtige Rolle als Innovations-motor, Forschungstreiber und überproportionaler Finanzierer des Gesundheitssystems. In seinem Ausblick betonte Dr. Botermann, dass die steigenden Kosten für die Alters- und Gesundheitsvorsorge den Kunden dringend kommuniziert werden müssten. Der Anteil dieser Posten an den Haushaltsausgaben müsse steigen und ein mit Konsumverzicht einhergehender Bewusstseinswandel erreicht werden.

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Nach dem Mittag berichtete Anja Schwinghoff, Doktorandin am IfVW, über Erkenntnisse aus einem Teil ihrer Forschungsarbeiten zu „IFRS im Versicherungsunternehmen – Abbildung der realen Sach-verhalte unter IFRS 4 und IFRS 9?“. Sie akzentuierte vor allem die Frage nach der Anwendbarkeit der neuen Standards. Die Komplexität der Versicherung stelle eine Herausforderung für Standardsetzer und Anwender dar. Das branchenspezifische Verhältnis von versicherungstechnischen Rück- stellungen zu den Kapitalanlagen könne nach aktuellem Stand der IFRS zu einem Accounting-Mismatch führen.

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Im Anschluss sprach  Prof. Dr. Fred Wagner über „Internetvergleichs-portale – Ergebnisse einer empirischen Studie“. Die Studie untersuchte, welche Internetvergleichsportale die günstigsten Kfz-Versicherungs-tarife anbieten, in welchem Umfang die angezeigten Versicherungstarife vordefinierte Kundenwünsche berücksichtigen und welche Preis-Leistungs-Relationen die preisgünstigsten Angebote der Vergleichs-portale ihren Kunden zur Verfügung stellen. Auch der Zusammenhang zwischen dem Abfragedesign der Vergleichsportale und den damit im Ergebnis als „günstig“ offerierten Tarifangeboten wurde diskutiert. Als Fazit stand am Ende des Vortrags die Aussage, dass Vergleichsportale zu einem Mehr an Transparenz für die Nutzer beitragen.

Dr. Patrick Dahmen, Finanzvorstand der AXA Konzern AG, gab mit seinen Ausführungen zur „Wertschöpfung im Spannungsfeld von Kapitalmarkt, Produktanforderungen und Vertrieb“ interessante Einblicke in moderne Ansätze zur Steuerung von Versicherungs-unternehmen. Er definierte zunächst Wertschöpfungsgrößen, wie operative Ertragskraft, Unternehmenswert, ökonomisches Kapital sowie Liquidität, und stellte die aus seiner Sicht maßgeblichen externen Veränderungstreiber für die Versicherungsbranche und deren Herausforderungen vor. Ausgehend davon leitete Dr. Dahmen Anforderungen an die Versicherungsunternehmen ab. Er betonte die besondere Bedeutung des aktiven Asset-Liability-Managements, einer Diversifikation des Produktangebots, der Transparenz und Verständ-lichkeit des Leistungsangebots für die Produktgestaltung sowie der Provisionsdifferenzierung und verstärkten Ertragsorientierung für den Vertrieb. Daran anschließend stellte er die konkreten Maßnahmen zur wertorientierten Steuerung im AXA-Konzern vor.

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Der fachliche Teil des Tagungsprogramms endete mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Baustelle Versicherungsvertrieb? - Aktuelle Herausforderungen im Vertriebsmanagement der Assekuranz." Unter Moderation von Prof. Dr. Fred Wagner diskutierten Olaf Bläser, Mitglied des Vorstands der ERGO Versicherung AG, Wolfgang Hanssmann, Mitglied des Vorstands der AXA Konzern AG, Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungs-kaufleute e.V., Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten e.V. sowie Prof. Dr. Klaus Kocks, Goslar Institut, Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern e.V.. Ausgehend von der althergebrachten Frage nach dem Image des Versicherungsvermittlers wurden verschiedene Herausforderungen im Versicherungsvertrieb aufgezeigt und diskutiert. Debattiert wurde u.a. über die Qualifikation und die Fluktuation von Vermittlern, über die Ausgestaltung von Anreizsystemen einschließlich der Provisions-gestaltung und des Einsatzes von Incentives, über Selbst-regulierungsmaßnahmen sowie über die Rolle von Beratung und Vertrieb zur Vermeidung von Altersarmut in Deutschland.

 

Lesen Sie gerne auch die Pressemitteilungen des Versicherungs- magazins zur Veranstaltung.

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