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Vorlesungstag an der Universität Leipzig

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21. Februar 2013

Zu unserem Vorlesungstag, einem der wichtigsten Branchentreffs zum wissenschaftlichen Austausch mit der Praxis der deutschen Versicherungswirtschaft, kamen am Donnerstag, dem 21. Februar 2013 wieder zahlreiche Repräsentanten der Assekuranz zu uns nach Leipzig. Die Tagung im modernen Hörsaal am Campus Augustusplatz veranstaltete unser Institut bereits zum dreizehnten Mal in Folge. Trotz Grippewelle, winterlicher Witterung und Streiks an den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf fanden sich wieder etwa 270 Teilnehmer ein.

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Am Morgen begrüßte Herr Professor Dr. Fred Wagner, Vorstand unseres Instituts, die Teilnehmer und gab einen Überblick über das Tagungsprogramm. Anschließend folgten Begrüßungsworte durch den Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Professor Dr. Ulrich Eisenecker, und seitens der Stadt Leipzig durch Frau Petra Schwab aus dem Referat Wissenspolitik des Geschäftsbereichs des Oberbürger- meisters.

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Der fachliche Teil der Veranstaltung wurde von Frau Dr. Elke König, Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), mit einem Vortrag über die „Herausforderungen für Assekuranz und Versicherungsaufsicht 2013 ff.“ eröffnet. Neben Themen wie Risiko- tragfähigkeit, Zinszusatzreserve und Garantieversprechen der Lebens- versicherer behandelte sie auch kritisch die aktuellen Regelungen über die Beteiligung der Versicherten an den Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere. Hier sei vor allem auf das Wohl der Versichertengemeinschaft zu achten und nicht auf die Interessen Einzelner. Ferner stellte sie in Aussicht, dass die BaFin eine vorgezogene Anwendung von ORSA-Regelungen prüfen werde. Im Übrigen wägte sie zu Solvency II ab: „Mit einer vollen Anwendung ist ab 2016, vielleicht auch erst 2017 zu rechnen.“ Die Zeit sei bis dahin aber nicht mehr sehr lang. Deshalb appellierte sie an das Auditorium: „Warten Sie nicht zu lange. Machen Sie Ihr Unternehmen heute zukunftsfest.“

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Im Anschluss referierte Reinhold Schulte, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna GRUPPE und Präsident des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V., zum Thema „Demografische Entwicklung – Auswirkungen auf Unternehmen und soziale Systeme“. Nach einer ausführlichen Verdeutlichung der Demografieentwicklungen, die er als unumkehrbar charakterisierte, ging er auf die damit verbundenen Probleme ein. Schließlich diskutierte er einige Lösungsansätze, wie die Gewinnung von Pflegefachpersonal aus dem Ausland oder die Umstellung der Finanzierungsverfahren in den Kranken-, Pflege- und Rentensystemen auf eine zunehmende Kapitaldeckung. Er selbst habe „keine Angst, dass eine Bürgerversicherung kommt“. Diesbezüglich verwies er u.a. auf sich dann massiv verschlechternde Bedingungen für Ärzte und Krankenhäuser. Auch die zunehmende Belastung der Generation der Beitragszahler im aktuell geltenden Umlageverfahren wurde von Herrn Schulte hervorgehoben. „Viele junge Leute lassen sich das nicht mehr bieten“, verwies er pointiert auf eine notwendige politische Umkehr.

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Der Themenblock am Nachmittag stand unter der Überschrift „Leipziger Forschung“. Zunächst berichtete Boris Sonntag, Vorstand der WAVE Management AG und Absolvent des MBA-Insurance am Institut von Professor Dr. Wagner, von den Ergebnissen seiner Masterthesis zur „Kapitalanlagepolitik von Lebensversicherern – Attraktivität von Anlageklassen bezüglich Solvency II“. Eindrücklich vermittelte Herr Sonntag den Zuhörern das aktuelle Kapitalmarktumfeld und daraus resultierende Investmentmöglichkeiten. Für seine Masterarbeit führte er eine eigene Studie für ein idealtypisches Lebensversicherungs- unternehmen durch und simulierte dabei die Asset Allocation. Seinen Analysen legte Herr Sonntag eine innovative Kennzahl zugrunde, die er als RoSC – „Return on Solvency Capital“ – bezeichnete. Sie gibt an, welche Rendite verschiedene Anlagekategorien auf das dafür zu unterlegende Solvenzkapital erwarten lassen. Einige markante Fehl- anreize der vorgesehenen Solvency II-Vorschriften konnten damit in wünschenswerter Klarheit aufgedeckt werden.

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Professor Dr. Wagner stellte im Rahmen seines Vortrags eine Studie des IfVW vor, die in Zusammenarbeit mit Deloitte und RGA durchgeführt wurde, und Potenziale sowie Herausforderungen der Lebens- versicherung thematisierte. Zunächst erläuterte er das Studiendesign und die Vorgehensweise der Studie, die auf Interviews mit 23 verantwortlichen Lebensversicherern basierte, deren Häuser 84% des Marktvolumens in Deutschland repräsentieren – gemessen an den Bruttoprämieneinnahmen 2011. Schwerpunkte der Studie lagen erstens auf den politischen, rechtlichen und ökonomischen Rahmen- bedingungen und den erwarteten Auswirkungen auf die Geschäfts- modelle der Lebensversicherer und zweitens auf der Transparenz- und Verbraucherschutzthematik in der Lebensversicherung. „Das Thema Transparenz und Verbraucherschutz hat vor drei Jahren noch kaum stattgefunden, gewinnt aber inzwischen immer mehr an Relevanz und Dynamik“, resümierte Professor Dr. Wagner. Seine Ausführungen führten im Nachgang zu einer regen Diskussion im Plenum, bei der das Geschäftsmodell der Lebensversicherung kontrovers zwischen Kontinuität und Innovation erörtert wurde.

Das Abschlussreferat des Tages hielt Herr Dr. Andreas Freiling, Partner und Head of Insurance Deutschland bei der Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Das „Management von Versicherungs- unternehmen im Spannungsfeld zwischen Modellorientierung und Selbstverantwortung (am Beispiel von Solvency II)“ setze für ihn sowohl einen hohen Sachverstand als auch eine tief gehende inhaltliche Auseinandersetzung voraus. Herr Dr. Freiling ging auch auf Gründe für die Verzögerung der Einführung von Solvency II ein; beispielsweise nannte er „Fehler bei der Vorbereitung“. Der Prozess könne nicht als abgeschlossen bezeichnet werden, da es stetiger Veränderungen bedürfe und die Modellparameter im Übrigen regelmäßig überprüft werden müssen.

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Ein abschließendes Highlight des Vorlesungstags war die traditionelle Podiumsdiskussion, in diesem Jahr zum Thema: „Bundestagswahl 2013 – Konsenslinien in einer künftigen Regierung und Auswirkungen auf die Assekuranz“. Herr Professor Dr. Wagner moderierte die vielfältigen Meinungen von Herrn Dr. Christian Grugel, Ministerialdirektor und Leiter der Abteilung Verbraucherpolitik beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Herrn Franz Knieps, Partner der Wiese Consult GmbH und ehemals Abteilungsleiter im Bundesministerium für Gesundheit, Herrn Dr. Volker Leienbach, Verbandsdirektor des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V., sowie dem Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V., Herrn Dr. Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth. Zur Diskussion standen Themen rund um den sozialpolitischen Auftrag der Versicherungswirtschaft, das duale System von Sozial- und Privatversicherung sowie Fragestellungen zu Honorarberatung, Transparenz und Verbraucherschutz. Die „Strategie muss auf eine Qualitätsverbesserung abzielen“, stellte Herr Dr. Grugel fest. Letztlich fasste GDV-Hauptgeschäftsführer Herr Dr. von Fürstenwerth zusammen, er wünsche sich zum Wohle der Versicherungswirtschaft im Allgemeinen „viele aufgeschlossene Politiker in allen Parteien“.

 

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