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15. Vorlesungstag an der Universität Leipzig

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26. März 2015

Zahlreiche Repräsentanten der Versicherungswirtschaft und angrenzender Branchen trafen sich am Donnerstag, dem 26. März 2015, zum mittlerweile 15. Vorlesungstag an der Universität Leipzig, einem beliebten und wichtigen Branchentreff zum Austausch zwischen Forschung und Praxis der deutschsprachigen Assekuranz. Als Schauplatz für den Kongress, den das Institut für Versicherungswissenschaften e.V. an der Universität Leipzig unter Moderation und fachlicher Leitung von Professor Dr. Fred Wagner veranstaltete, diente das ehrwürdige AudiMax am innerstädtischen Campus Augustusplatz. Annähernd 300 Branchenvertreter, darunter viele Vorstände und Führungskräfte von Versicherungsunternehmen und branchennahen Dienstleistern, folgten der Einladung nach Leipzig.

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Zu Beginn des Kongresses bekundeten die Teilnehmer ihr Mitgefühl über den jüngsten Flugzeugabsturz in den französischen Alpen in Form einer Schweigeminute. Seitens der Stadt Leipzig übernahm sodann Oberbürgermeister Burkhard Jung erste Begrüßungsworte. Er warb für die Stadt und stellte Leipzig anhand von fünf wichtigen Merkmalen vor: Bürgerstadt, Messestadt, Universitätsstadt, Ort der Musik und Friedliche Revolution. Abschließend gab er zu bedenken: „Leipzig war früher eigentlich auch eine Versicherungsstadt.“ Im Namen der Universität Leipzig hieß der Prodekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Professor Dr. Harald Wiese, die Teilnehmer herzlich willkommen.

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Entwicklung der Branche bei Niedrig- und Negativzinsen

Die fachliche Eröffnung des Vorlesungstags übernahm Dr. Jan Wicke, Vorstandsvorsitzender der Talanx Deutschland AG, zum Thema „Image, Regulierung, Niedrigzins und Kostendruck – ist das Geschäftsmodell der Assekuranz im Kern gefährdet?“. Dabei erläuterte er zunächst exemplarisch die Problembereiche und stellte entsprechende Initiativen vor. „Wir haben ein schwieriges Ansehen der Branche“, beschrieb er die Ausgangssituation. Wicke fand ehrliche Worte über die Chancen und Risiken der Versicherungswirtschaft. Im Hinblick auf die Digitalisierung, in die er große Hoffnungen setzt, und vor dem Hintergrund der anhaltenden Bedeutung von Versicherungen zählte er zunächst positive Aussichten auf. Zu bedenken gab er, dass im Angesicht von Regulierung und Niedrig- oder gar Negativzinsen erhebliche Hausaufgaben von der Branche zu erledigen sind, um das Geschäftsmodell auf gesunden Füßen zu erhalten. Das Auditorium hat er mit seinen Worten zu intensiven Diskussionen angeregt. .

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Herausforderungen und Chancen der Regulierung

Dr. Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender der MLP AG, referierte anschließend zur „Finanzmarktregulierung: Herausforderungen aus Sicht eines Finanzberaters und Vermittlers“. Hierbei erläuterte er zunächst die Inhalte des Lebensversicherungsreformgesetzes und die damit verbundenen Auswirkungen. „Der Druck wird größer […], die Politik hat wenig Verständnis.“; derart fasste er die sich nahenden Schwierigkeiten zusammen, die er vor allem für Strukturvertriebe sieht. Gerade das Zusammenspiel von Versicherer und Vermittler bzw. Berater wird sich verändern. Ebenso wie Wicke sah auch Schroeder-Wildberg große Chancen in der Digitalisierung, die an den Vertrieb auch große Anforderungen stellt. Konkret zeigte er auch Wege auf, die MLP geht, um zu reüssieren. Diese führten letztlich zu dem Schluss, dass die Regulierung im Allgemeinen auch eine begünstigende Wirkung für große qualitätsorientierte Anbieter haben kann.

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Wissenschaftliche Betrachtung von Big Data und Studie zur Schadenbearbeitung

Der wissenschaftlich ausgerichtete Veranstaltungsblock „Leipziger Forschung“ wurde – wie auch in den Jahren zuvor – von einem ehemaligen Studierenden des Versicherungsinstituts eröffnet. Diesmal berichtete Alexander Makowski, Project Manager bei der ConVista Consulting AG, von den Ergebnissen seiner MBA-Abschlussarbeit zum Thema „Bedeutung und Nutzenpotenziale von Big Data für Versicherungsunternehmen“. Er führte die Zuhörerschaft strukturiert in die sich stetig wandelnde und viel beachtete Thematik ein, verdeutlichte ausgewählte Analysetechniken und mögliche Anwendungsfälle.

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Professor Wagner stellte anschließend eine gerade unter seiner Schirmherrschaft fertiggestellte Studie der V.E.R.S. Leipzig GmbH in Kooperation mit der Funk Gruppe und Crawford & Company vor. Dabei präsentierte er die Ergebnisse rund um die „Schadenbearbeitung in der Gebäudeversicherung: Anspruch vs. Wirklichkeit“. „Das ist nicht der Zweig, der am meisten Spaß macht“, manifestierte Wagner gleich zu Beginn die Branchensituation. Als Kernanforderungen stellte er u.a. einen „kundenorientierten Abwicklungsprozess“, Kostenoptimierungen und eine Beschleunigung der Prozesse durch Dunkelverarbeitung sowie damit verbundene Schnittstellenbildungen heraus. In einer abschließenden Diskussion konnten die Tagungsteilnehmer ihre Fragen auch gezielt an die Auftraggeber der Studie stellen. Hierbei war es Christine Seiler, Leiterin der Immobilienwirtschaft bei der Funk Gruppe, ein großes Bedürfnis, klarzustellen, dass mögliche Probleme nicht vorrangig bei den Immobilienunternehmen zu suchen sind. „Die Branche steht vor einer Riesenwelle der Digitalisierung“, sprach sie sich bezüglich einer gemeinsamen strategischen Aufstellung von Versicherungswirtschaft und Immobilienunternehmen aus. Auch Tobias Walter, Business Development Director bei Crawford & Company, verwies auf eine effizientere Prozessorientierung, mit der die Abwicklungsgeschwindigkeit erhöht werden könne.

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Gegenwärtiges Auseinandersetzen mit Risiken der Zukunft

„Emerging Risks: Herausforderungen und Potenziale der Assekuranz“ lautete der Titel zum letzten Fachvortrag der Tagung. Hierzu konnten die Veranstalter Dr. Reto Schneider, Director und Head of Emerging Risk Management bei der Swiss Reinsurance Company, als kompetenten Redner gewinnen. Er füllte die Thematik mit Leben, indem er das Emerging Risk Management in seinem Haus rund um Cyber-, Mobilitäts-, Medizin-, Regulierungs- und Big-Data-Risiken anriss. Trotz einer vernetzten und komplexen Welt sehe er die Ansatzpunkte zum Risikomanagement vor allem in der Fokussierung. Mit konkreten Beispielen für Zukunftsvisionen gelang es ihm, beim Plenum große Aufmerksamkeit und gespannte Neugier zu erzeugen. So erläuterte Schneider auch ein komplett digitalisiertes Schadenmanagement im Rahmen der vierten industriellen Revolution. In Anknüpfung an seine Vorredner positionierte er sich klar: „Ich bin zuversichtlich. […] Ich glaube nicht, dass wir scheitern an Big Data.“ Um auch damit verbundene Risiken und Bedenken kontrollieren zu können, sei es wichtig, Vertrauen und Transparenz als Grundlagen zu betrachten und seine Kunden zu unterstützen.

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Konkurrenz und Zusammenarbeit im Anblick der Digitalisierung

Schlusspunkt und zugleich noch ein Höhepunkt des Vorlesungstags war Jahr für Jahr die Podiumsdiskussion. In diesem Jahr lautete der Titel: „Digitalisierung – Wie die Versicherungswirtschaft ihre Zukunft verspielt“. Gastgeber Professor Wagner moderierte die Meinungen von Dr. Klaus Driever, Leiter Digitaler Verkauf der Allianz Deutschland AG, Thilo Knaupp, Vorstand der Check24 Vergleichsportal Versicherungen AG, Dr. Nikos Kotalakidis, Head of Industry, Financial Services der Google Germany GmbH sowie Dr. Matthias Maslaton, Mitglied des Vorstands der ARAG SE. Die bildliche Aussage von Kotalakidis, „Für mich ist Digitalisierung […] der neue Treibstoff unserer Gesellschaft“, wurde im Rahmen der Diskussion des Öfteren wieder aufgegriffen. Die wahrgenommene Latenz der Versicherungswirtschaft im Zusammenhang mit der Digitalisierung betrachtete er als zunächst wenig bedenkliche Gegebenheit, die sich durch teils lange Vertragslaufzeiten ergibt. Driever gab die Datensicherheit als Faktor zu bedenken, der sich auf das Versicherungsgeschäft und das damit verbundene Vertrauen stark auswirkt. Maslaton hielt hierzu fest: „Vertrauen lässt sich im Netz nicht abbilden.“ Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass hierbei auch die Beziehungen der Versicherer, Vergleichsportale und Suchmaschinen untereinander eine tragende Rolle spielen.“ „Wichtig ist ein extrem reger Austausch“, pflichtete Knaupp bei. Google sei für sein Unternehmen vor allem eine Motivationsquelle. Die Investitionen der Allianz in das Thema Digitalisierung ließen sich besonders auf die extreme Neugier und Begeisterung der Vertriebsmitarbeiter am Internet zurückführen, so Dr. Driever. Maslaton erklärte, dass die ARAG an die Digitalisierung früh und zunächst durch Ausprobieren herangetreten sei. In ähnlicher Weise antwortete Kotalakidis auf die Frage von Wagner, wann und ob ein Vergleichsportal von Google geplant sei: „Wir wollen erst einmal lernen; das machen wir immer so.“ Durch die zahlreichen Fragen der Zuhörer setzte sich die angeregte Diskussion fort, die auch noch am Abend beim „Get together“ im Versicherungsinstitut weitergeführt wurde.

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