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17. Vorlesungstag an der Universität Leipzig

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30. März 2017

Am 30. März 2017 lud das Institut für Versicherungswissenschaften e.V. an der Universität Leipzig zu einem der wichtigsten Branchentreffen der Versicherungswirtschaft in den AudiMax am innerstädtischen Campus Augustusplatz ein. Der Kongress bot traditionell eine ausgezeichnete Möglichkeit zum Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Mehr als 300 Branchenrepräsentanten folgten der Einladung, unter ihnen viele Vorstände und Führungskräfte aus der Versicherungswirtschaft oder von branchennahen Dienstleistern. Moderation und fachliche Leitung übernahm wieder Prof. Dr. Fred Wagner, Vorstand des Instituts für Versicherungswissenschaften e.V. an der Universität Leipzig.

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Nach einer Begrüßung durch Prof. Wagner fand die Rektorin der Universität Leipzig – Prof. Dr. med. Beate A. Schücking – freundliche, eröffnende Worte mit guten Wünschen für eine gelungene Veranstaltung. Sie hob die Bedeutung der Alma Mater Lipsiensis als eine der ältesten Volluniversitäten in Deutschland hervor, die mit der jährlich steigenden Studierendenzahl stets bedeutsamer wird. Die Rektorin unterstrich den Beitrag der Impulsvorträge auf dem Vorlesungstag an der Universität Leipzig zum Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.

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Kulturelle und digitale Modernisierung eines Versicherungskonzerns

Die Eröffnung des fachlichen Teils erfolgte durch Dr. Markus Rieß, Vorsitzender des Vorstands der ERGO Group AG, mit einem aufschlussreichen Beitrag zum Thema „Kulturelle und digitale Modernisierung eines Versicherungskonzerns – Ansätze und Herausforderungen“. Treiber der Innovationen für eine kulturelle wie digitale Modernisierung sind nach Rieß die Kundenwünsche. Dabei gehen Innovationen, die u.a. durch Start-Ups, FinTechs und auch InsureTechs initiiert werden, weit über die reine Produktentwicklung hinaus. Allerdings seien Versicherungsunternehmen konservativ, vorsichtig und warteten eher ab. Doch „ist aus dem einst so ruhigen Kosmos eine Welt in Tumult geworden“ (Handelsblatt, 25.01.2017). Zu modernisierende Kernelemente stellen die Geschäftsmodelle, die Kundenbedürfnisse und die Unternehmenskultur samt ihrer Mitarbeiter dar. Nichtsdestotrotz sei es wichtig, die zum Erfolg geführten Erfahrungswerte neben der Innovationswelle beizubehalten. Nur eine intelligente Kombination von Alt und Neu führe zu einem nachhaltigen Erfolg.

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Strategien für ein ertragsreiches Wachstum in der Assekuranz

Markus Nagel, Vorsitzender des Vorstands der Zurich Gruppe Deutschland, referierte zu möglichen ertragreichen Wachstumsstrategien in einem reifen Versicherungsmarkt. So stellen Innovationen die Kerntreiber für Wachstum dar. Eine Illustration der Entwicklung von Industrie 1.0 zu Industrie 4.0 untermauere diese Aussage. Nagel thematisierte die These, dass Wachstum durch Produktivitätssteigerung zu Wohlstand für alle führe. Faktoren, die die Positionierung in der Assekuranz beeinflussen, seien der Niedrigzins, Mifid, IDD und Solvency II. Ein selektives Wachstum ist nach Nagel weiter möglich. Dabei stehen Differenzierung und Fokussierung sowie Geschäftsmodellinnovationen im Vordergrund. Als Beispiele wurden Zurich Biometrie und die Vertriebsstrategie der DA-Direkt aufgeführt, die u.a. in der Nutzung aller Vertriebswege besteht. Nagel hob hervor, dass die Entwicklung neuer Strategien einfach sei, die Herausforderungen dabei nach wie vor in der konkreten Umsetzung zu suchen seien.

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Leipziger Forschung

Im Rahmen des wissenschaftlich ausgerichteten Veranstaltungsblocks „Leipziger Forschung“ berichtete Dr. Sebastian Madeja, Leiter Operations Fach-Services NÜRNBERGER Versicherung von den Erkenntnissen seiner Masterarbeit über „Automatisiertes Fahren – rechtliche und produkttechnische Herausforderungen im Versicherungsgeschäft“. Seine Arbeit verfasste Madeja im Rahmen des von Prof. Wagner geleiteten Studiengangs MBA-Insurance am Institut für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig. Nach einer kurzen Darstellung unterschiedlicher Automatisierungsgrade und derer Merkmale thematisierte Madeja die rechtlichen Fragestellungen. Die ganze Haftungsproblematik sei neu zu behandeln. Des Weiteren stellte Madeja einige ausgewählte produkt- und versicherungstechnische Herausforderungen vor, wie etwa den zukünftigen Bedarf einer Kaskoversicherung – auch vor dem Hintergrund einer Einbindung des Herstellers in die Automatisierungsrisiken. In der anschließenden Plenumsdiskussion kamen weitere komplizierte, zugleich aber interessante ethische Fragestellungen auf.

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Geschäftsmodelle von Versicherungsunternehmen in der Zukunft: Überlegungen und Befunde aus Studienprojekten zu Entwicklungslinien in einer digitalisierten Welt

Im Zeitalter der Digitalisierung übertragen Kunden ihre Erfahrungen und gestiegenen Ansprüche auch auf die Versicherungsbranche, deren Nutzen der Kunde bisher nur in der monetären Leistung im Schadenfall sieht. Die Versicherungswelt ist in den Lebenswelten des Kunden, dazu zählen „Wohnen“, „Familie“, „Reisen“ und „Mobilität“, kaum präsent. Die benötigten Versicherungsprodukte müssen dem Kunden vor Augen geführt und auf ihn zugeschnitten werden. Der Kunde wünscht sich Sicherheit und Komfort, und das in allen Bereichen. Als aussagekräftige Beispiele für die Bedeutung dieser beiden Parameter führte Prof. Wagner in seinem Vortrag neue Konzepte im „Smart Home“ und bei „Connected Cars“ auf. So sollen bspw. „Connected Cars“ zu einer Erhöhung der Fahrsicherheit und des Mobilitätskomforts beitragen. Im digitalen Ökosystem seien Versicherungsunternehmen gezwungen, ihre konservativen Strukturen und traditionellen Kulturen aufzubrechen, um ihre Attraktivität sowohl bei Kunden als auch bei Mitarbeitern zu steigern. Eine kundenzentrierte Entwicklung von Produkten und Services sei künftig ein unabdingbarer Erfolgsfaktor.

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Zukunftsperspektiven der Privaten Krankenversicherung

Daniel Bahr, ehemals Bundesgesundheitsminister, nun Mitglied des Vorstands der Allianz Private Krankenversicherungs-AG, erläuterte die Zukunftsperspektiven der Privaten Krankenversicherung in Deutschland. Bahr beschrieb das duale Gesundheitssystem in Deutschland als eines der weltweit besten. Diese Aussage untermauerte er mit den Argumenten wie geringen Wartezeiten und der hohen Qualität in der medizinischen Versorgung. Als weitere Parameter für Qualitätsmessungen von Gesundheitssystemen führte Bahr das Verhältnis von Krankenstand und Gesundheitsausgaben auf. Dass Deutschland auch diesbezüglich weltweit in den Führungspositionen liege, begründete er u. a. mit dem dualen Gesundheitssystem und dem indirekten Wettbewerb zwischen sozialer und privater Krankenversicherung. Diskutiert wurden auch Gründe für den Verbleib in der GKV trotz bestehender Wechselmöglichkeit, wie etwa die Subvention von Familienmitgliedern und die Direktabrechnung in der GKV. Bahr zeigte moderne Lösungen zur Steigerung der Kundenzufriedenheit im Zeitalter der Digitalisierung auf, wie etwa durch individuelle Apps. Eine durch unser Gesundheitssystem zu bewältigende Herausforderung sei in jedem Fall der demografische Wandel. Im Fazit kennzeichnet Bahr das duale Gesundheitssystem in Deutschland als den besten Schutz vor einer Zwei-Klassen-Medizin.

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Individualitätsprinzip oder Solidaritätsprinzip in der Assekuranz

Die Podiumsdiskussion stellt jedes Jahr auf ein Neues einen Höhepunkt des Vorlesungstags dar. Hier treffen unterschiedliche Auffassungen aus Wissenschaft und Praxis aufeinander. Das diesjährige Thema „Individualitätsprinzip oder Soldaritätsprinzip in der Assekuranz? – Im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und „Moral““ bot viel Raum für eine vielschichtige und tiefgehende Auseinandersetzung. Als Repräsentanten von Versicherungsunternehmen debattierten Klaus Jürgen Heitmann, Mitglied des Vorstands, HUK-Coburg Versicherungsgruppe und Per-Johan Horgby, Mitglied des Vorstands, VHV Versicherungsgruppe. Die wissenschaftliche Sicht brachten Prof. Horst Müller-Peters, Institut für Versicherungswesen an der TH Köln und Prof. Dr. Hans-Joachim Zwiesler, Vorsitzender des Kuratoriums, Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften, ein. Ferner nahm Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur und Mitglied der Geschäftsführung, Finanztip Verbraucherinformation gemeinnützige GmbH, an der Diskussion unter Moderation von Prof. Wagner teil. Die zunehmenden Möglichkeiten der Versicherer, individuelle Kundendaten für Zwecke der Tarifkalkulation zu bekommen, führen zu vielseitigen neuen Fragestellungen. So kritisierte Tenhagen, dass diese Individualisierung immer mehr Informationen über den Versicherungsnehmer bringt, die Transparenz hinsichtlich der Tarifkalkulation für den Kunden jedoch nicht steigt. Ob eine individuelle Tarifkalkulation erfolgsführender ist oder ob die derzeit verwendeten Kriterien bereits hinreichend genau für die Risikokalkulation sind, ist bisher unklar. Auch die Gerechtigkeitsbeurteilung ist schwierig, obliegt nach Auffassung der Vertreter der Versicherungswirtschaft allerdings nicht der Branche selbst.

Im Anschluss an das Tagungsprogramm lud das Institut für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig zu einer kulturellen Abendveranstaltung in der Thomaskirche und zu einem Get-Together in die Räumlichkeiten des Instituts.

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